Końskie liegt in Zentralpolen, etwa 120 Kilometer südlich von Warschau. Die Stadt befindet sich in der Woiwodschaft Heiligkreuz (Świętokrzyskie).

Ich kenne Końskie verhältnismäßig gut, denn ich war aus familiären Gründen in den letzten Jahren einige Male dort. Końskie ist so ganz anders als meine kleine, beschauliche Kleinstadt hier im Paderborner Land.

Wenn in Końskie der Wochenmarkt stattfindet, dann sind damit nicht eine Hand voll Stände gemeint wie bei uns. Dann ist wirklich Markt! Man bekommt dort so ziemlich alles was man braucht.

Końskie ist keine touristische Gegend. Die deutsche Sprache hört man hier nicht sehr oft. Wenn man hier Deutsch spricht, erntet man nicht selten neugierige Blicke. Wenn man die Geschichte von Końskie kennt, wundert man sich, dass die Blicke „nur“ neugierig sind. Den die Geschichte von Końskie ist tragisch, dramatisch und düster. Und sie beantwortete mir Fragen, die ich mir schon häufiger gestellt hatte.

Eine Stadt, gezeichnet von ihrer Geschichte

Die Stadt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Der Marktplatz und die angrenzende Piłsudskiego-Straße erstrahlen heute in neuem Glanz. Typische Plattenbauten prägen weiterhin das Stadtbild am Stadtrand, doch auch sie werden saniert und modernisiert. Die Entwicklung der Stadt ist sichtbar, und Neubauten sind modern und ästhetisch.

Einige Gebäude tragen noch Spuren der harten Zeiten, als Końskie während der deutschen Besatzung (1939–1945) nicht nur besetzt, sondern auch entvölkert wurde. Vor dem Krieg war die Stadt eine multikulturelle Gemeinschaft mit einer bedeutenden jüdischen Gemeinde, die von den Nationalsozialisten nahezu vollständig ermordet wurde. 1945 lebten nur noch etwa 5.000 bis 6.000 Menschen in Końskie, vor allem Überlebende und Rückkehrer.

Nach der Befreiung durch die Rote Armee fiel Końskie in den Einflussbereich der Sowjetunion. Die zentral geplante Wirtschaft und wiederholte Krisen bis 1989 führten zu Mangelwirtschaft und niedriger Lebensqualität, trotz einzelner Industrialisierungsprojekte.

Während Länder wie Westdeutschland nach 1945 die Grundlagen ihres Wohlstands legen konnten, begann diese Entwicklung in Polen erst nach dem Ende des Kommunismus. Bis heute spürt man in Końskie die Nachwirkungen der Nachkriegszeit und der sowjetischen Abhängigkeit, sichtbar an baufälligen Gebäuden, einer schwächeren Wirtschaft und geringerer Infrastruktur. Dennoch zeigen die positiven Veränderungen der letzten Jahre, dass die Stadt auf einem guten Weg ist.

Das Massaker in Konskie und Leni Riefenstahl

Die düsterste Episode der Geschichte Końskies ereignete sich unmittelbar nach der deutschen Besatzung im September 1939. Die Wehrmacht verübte ein grausames Massaker an der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Hunderte Menschen wurden brutal ermordet, Männer, Frauen und Kinder, oft ohne Prozess oder Vorwarnung. Die Straßen von Końskie waren Zeugen einer unfassbaren Gewalt, die nur der Beginn einer systematischen Vernichtung war.

Inmitten dieser Gräueltaten erschien auch die bekannte deutsche Filmemacherin Leni Riefenstahl in der Stadt. Als propagandistische Begleiterin der deutschen Armee war sie Augenzeugin des Massakers. Berichten zufolge wurde sie von der Brutalität der Szenen schockiert. Doch statt sich öffentlich zu distanzieren, setzte sie ihre Karriere unter dem nationalsozialistischen Regime fort, ohne jemals Verantwortung für ihre Nähe zur NS-Propaganda zu übernehmen. Dieses Kapitel verbindet Końskies Tragödie mit den dunklen Schatten, die auch auf Riefenstahls Vermächtnis lasten.

Bis heute wird kontrovers diskutiert, ob und in welchem Ausmaß sie Mitverantwortung für die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie trägt. Der Vorfall in Końskie bleibt eine Erinnerung an die Grausamkeiten des Krieges und die moralischen Verfehlungen jener, die bereit waren, diese Taten für propagandistische Zwecke zu ignorieren oder sogar zu verherrlichen. Końskie, eine Stadt mit einer derart tragischen Vergangenheit, steht symbolisch für die Opfer dieser Propaganda und für die Verpflichtung, Geschichte aufzuarbeiten und Lehren daraus zu ziehen.

Gedanken zu den Fotos

Konskie zeigt sich in den Sommermonaten von einer ganz anderen Seite, als es die hier gezeigten Fotos vermuten lassen. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf die Stimmung sowohl der Umgebung als auch der Menschen aus. Im Winter, wenn der Himmel grau und kontrastlos erscheint, fühlt man sich in eine vergangene Zeit zurückversetzt – eine, die man am liebsten hinter sich lassen möchte. Die Wahl, die Fotos in Schwarz-Weiß zu präsentieren, verstärkt diese melancholische Wirkung zusätzlich. Dadurch könnte leicht der Eindruck entstehen, Konskie sei ausschließlich so trist. Ein vollständiges Bild der Stadt bekommt man jedoch erst, wenn man das lebhafte Treiben im Sommer auf dem Wochenmarkt erlebt hat. Wenn man fröhliche Jugendliche im Café beobachtet, die sich dort treffen, um Eis zu essen. Oder wenn man die Nachbarn plaudern sieht, wie sie vor den Wohnblöcken stehen und die neuesten Geschichten austauschen.

Konskie hat auch eine aktive Autotuning-Szene: Hier parken Nissan Skyline GT-Rs mit Driftumbauten direkt neben amerikanischen Muscle-Cars wie dem Dodge Challenger. Diese Beispiele – und viele mehr – zeigen, dass Konskie weit mehr ist als seine tragische Vergangenheit.

In den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Die Infrastruktur wird stetig verbessert. Neue Gebäude entstehen, alte werden saniert. Der einst stillgelegte Bahnhof ist wieder in Betrieb und neue Verkehrsverbindungen wurden geschaffen. Straßen werden erneuert und kulturelle Angebote ausgeweitet.

Dennoch bleibt der Eindruck, dass viele Menschen hier perspektivlos wirken – häufiger als anderswo. Oft sehe ich unglückliche, besorgte Gesichter. Besonders Frauen scheinen stärker betroffen zu sein, vielleicht wegen der begrenzten Arbeitsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist Alkohol ein allgegenwärtiges Problem, das vor allem Männer betrifft.